Menschliche Faktoren im Einzugsgebiet

Wie beeinflusst der Mensch das Aussehen von Gewässern und die Wasserqualität?

Landwirtschaft

Wusstest Du, dass gerade in den letzten 100 Jahren viele Wälder abgeholzt und wilde Flüsse gezähmt wurden, um zusätzlich Ackerland zu gewinnen? Einerseits sicherte man so die Versorgung der ständig wachsenden Bevölkerung. Andererseits wurde damit in der Natur an vielen Orten großer Schaden angerichtet.

Durch Begradigung der Gewässer entwässerten wir Menschen die Auen. Hangflächen mit hohem Erosionspotenzial (Gefahr des Bodenabtrages bei Starkregenereignissen) wurden in die Ackernutzung genommen.

Die Begradigung von Gewässern und der Verlust natürlicher Überschwemmungsflächen als Zwischenspeicher tragen dazu bei, dass Hochwasser entsteht. Menschen und Tiere, die an den Unterläufen großer Flüsse leben, sind dann in großer Gefahr.

Wenn Ackerflächen und Hanglagen weggeschwemmt werden, geht nicht nur wertvoller Boden verloren. Gedüngter Boden gelangt in das Gewässer und führt zu übermäßigem Wachstum von Algen und Wasserpflanzen sowie Verschlammung der Gewässersohle, was wiederum die Gewässerorganismen schädigen kann. Mineralische Dünger, Wirtschaftsdünger sowie Pflanzenschutzmittel können bei intensiver Nutzung direkt oder durch zufließendes Grundwasser in die Bäche gelangen.

Wo Gewässer begradigt, Feuchtflächen trocken gelegt und Wälder gerodet werden, geht wertvoller Lebensraum für Pflanzen und Tiere verloren.

Es gibt Möglichkeiten, Wasser auf natürliche Weise wieder in der Landschaft zu speichern und zurückzuhalten. Zum Beispiel wenn wir Ackerland wieder zu Grünland umwandeln oder an erosionsgefährdeten Hängen Schutzpflanzungen mit Gehölzen anlegen.

Animation straten

Animation Landwirtschaft

Siedlungstätigkeit

Der ständig wachsende Bedarf an Siedlungs- und Verkehrsflächen führt mitunter vor Ort zu einem starken Gewässerausbau und der Errichtung von Schutzdämmen gegen Hochwasser. Zwar findet der Flächenverbrauch in Bayern nicht mehr mit der Geschwindigkeit vergangener Jahre statt. Dennoch wird jeden Tag in Bayern die Fläche von umgerechnet 23 Fußballfeldern (16 Hektar) freie Landschaft in Siedlungs- und Verkehrsflächen umgewandelt. Mit der Ausweisung von Siedlungs- und Verkehrsflächen einher geht die Versiegelung. Das heißt in wasserdicht bebauten Bereichen kann kein Wasser versickern. Stattdessen fließt es oberirdisch oder in Kanälen ab und kann so insbesondere nach Starkregen zu einer örtlichen Hochwasserverschärfung beitragen.

Eine hohe Siedlungskonzentration führt auch zu einer vermehrten Luftverschmutzung durch Energiegewinnung und Verkehr, zu Gewässerverunreinigungen nach Schadensfällen mit wassergefährdenden Stoffen, zu Problemen der Abfallbeseitigung und vielem mehr.

Animation straten

Animation Siedlungstätigkeit und Abfallbeseitigung

Freizeit und Erholung

Die Badehose eingepackt und endlich raus ans Wasser: Was uns als Erholungsraum dient, ist für Pflanzen und Tiere ein wichtiger Lebensraum - ja manchmal sogar der einzige Überlebensraum. Durch Surfen, River Rafting, aber auch Mountainbiking oder schon durch zurückgelassene Abfälle können wir diesen Lebensraum empfindlich stören. Dabei ist es ganz einfach, draußen seinen Spaß zu haben und dennoch die Wasser-, Wiesen- und Waldbewohner nicht zu gefährden - wenn man sich an ein paar Spielregeln hält: auf den ausgewiesenen Wegen bleiben, Naturschutzgebiete respektieren und alles wieder mitnehmen, was Du mitgebracht hast.

Foto eines Sees mit Badesteg und Segelbooten
Bayerns Gewässer bieten reizvolle Möglichkeiten zur Erholung, Baden, Segeln und Surfen. Auch diese Nutzungen müssen verantwortungsvoll erfolgen.

Wasserkraft

Schon sehr früh wusste der Mensch die Kraft des Wassers zu nutzen: zum Betreiben von Wasserrädern, Mühlen oder zur Erzeugung von Strom. 1891 wurde zum ersten Mal aus Wasserkraft Strom gewonnen. Bis heute ist Wasserkraft die einzige nennenswerte erneuerbare Energiequelle (regenerative Energiequelle), die in Bayern zur Stromversorgung beiträgt. In den letzten Jahrzehnten hat die Nutzung des Wassers zur Stromerzeugung stark zugenommen. Ihr Anteil an der Stromerzeugung insgesamt beträgt in Bayern zur Zeit über 15 Prozent. Das ist dreimal soviel wie der Bundesdurchschnitt. Die Wasserkraft ist damit nicht nur die bedeutendste regenerative Energiequelle, sondern trägt auch zur Luftreinhaltung bei, da bei der Stromerzeugung keine klimaschädlichen Abgase entstehen, wie dies etwa durch Verbrennen von Öl, Kohle oder Gas der Fall ist.

Wasserkraftanlagen stellen jedoch Barrieren für wandernde Fische dar. Hier helfen Fischtreppen oder Umgehungsbäche entlang derer die Bauwerke umflossen werden können.

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Wasserkraftwerke sind Sperren im Fluss. Fischtreppen sorgen dafür, dass Fische sie überwinden können.

Bayerisches Landesamt für
Umwelt

wasserforscher.de